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Das Aquarium bepflanzen - Teil 1

Durch kreative Bepflanzung und Dekoration eines Aquariums kann ich eine Unterwasserlandschaft gestalten, die einen phantastischen Blickfang im Wohnzimmer darstellt. Hierzu gibt es in der Literatur zahlreiche Beispiele. Als erstes nenne ich hier die holländischen Pflanzenaquarien. Bei diesen steht nicht der Fischbesatz im Vordergrund sondern das gartenähnliche Gestalten des Beckens. Jedes einzelne Pflänzchen ist akkurat geschnitten an seinem richtigen Platz. Es werden Pflanzenstraßen angelegt um die optische Tiefe des Beckens zu erhöhen und die Grundplanung des Aquariums erfolgt selbstverständlich nach dem "Goldenen Schnitt". Die Pflanzen werden in der Regel in seperaten Becken herangezogen.

Takashi Amano dürfte mittlerweile vielen Aquarianern ein Begriff sein. Seine Naturaquarien bilden kleine Landschaften nach, die man ohne weiteres als Kunstwerke bezeichnen kann. Selbst Steine und Wurzeln werden sorgfältigst ausgewählt.

Beide verbindet der enorme Arbeitsaufwand der für diese Becken notwendig ist.

Aber ist das eigentlich noch Aquaristik oder nur noch die Zurschaustellung einer künstlichen Welt? Jeder Aquarianer weiß, daß Pflanzen ohne permanente pflegerische Eingriffe ganz anders wachsen. Sie wuchern kreuz und quer durchs Becken. Stengelpflanzen bekommen diese ungewollten Seitentriebe und die häßlichen Luftwurzeln verderben einem das ganze Design. Überlasse ich das Aquarium seinem Schicksal und führe keine Gärtnerarbeiten mehr durch, kann sogar das Gleiche passieren wie in der Natur. Eine Pflanze dominiert das komplette Becken. Vorbei ist es mit der schönen Pracht von verschiedenförmigen und verschiedenfarbigen Kontrasten.

Hemianthus micranthemoides

Hemianthus micranthemoides wurde am 10.08.00 zusammen mit Cabomba caroliniana und Hygrophila polysperma in das Aquarium eingesetzt. Auß regelmäßigem Wasserwechsel wurde das Aquarium sich selbst überlassen. Das Becken besitzt eine Grundfläche von 100 mal 40 cm. Es ist CO2-gedüngt und wird mit 3 Röhren beleuchtet. Außerdem wird täglich Dennerle A1 Tagesdünger zugeführt. Das nordamerikanische Perlkraut hat durch am Boden entlangkriechende Triebe das Becken mittlerweile vollständig zugewuchert. Die darin lebenden Eilandbarben haben sich reichlich vermehrt. Immer wieder entdecke ich im Pflanzendickicht neue Jungfische.

Was erwarte ich von meinem Aquarium? Soll es ein Vorzeigeobjekt sein. Dies nennt man ein Schaubecken. Oder will ich ein Stück Natur beobachten und verstehen? Letzteres geht natürlich nicht wenn ich ständig Pflanzen herausziehe, abschneide und das obere Stück wieder in den Bodengrund hineinbohre. Oder wenn mir der Cryptocorynenbereich, der eigentlich 1-2 Jahre braucht um seine richtige Pracht zu entfalten, nach einem halben Jahr an dieser Stelle nicht mehr gefällt.

Wenn ich mir so einen Cryptocorynendschungel mal etwas genauer anschaue fällt mir auf, daß der Bodengrund zwischen den sehr dicht stehenden Stengeln mit feinem Mulm bedeckt ist. Dies ist kein grober Dreck oder Fischkot sondern ganz feiner Staub. Darin wimmelt es von bakteriellem Leben. Dieses langsamwachsende Pflanzendickicht trägt einen großen Anteil zur biologischen Stabilität des Aquariums bei.

Ständige Eingriffe ins Becken stören die natürlichen Reviergrenzen und Schutzzonen der Fische. Pflanzen, die fortwährend mit der Schere malträtiert oder umgesetzt werden, können ihre volle Kraft nicht entfalten. In einem ungestörten Aquarium können die Fische ihr natürliches Verhalten viel besser ausleben. Selbst bei nicht brutpflegenden Arten wachsen häufig Jungfische auf. Im Pflanzendickicht finden sie Schutz und Nahrung.

Welchen Weg will ich gehen? Diese Entscheidung muß ich treffen denn so schön auch die oben genannten Becken sind, so wenig haben sie meiner Meinung nach etwas mit Natur zu tun. Will ich Fische bei ihrem natürlichen Verhalten beobachten, sind diese Art von Aquarien denkbar ungeeignet.

Soll es trotzdem so ein Becken sein? Dann beginne ich mit einem Pflanzplan. Ich plane auf einem Blatt Papier grob die Einrichtung des Aquariums. Über das Aussehen der Pflanzen habe ich mir durch Fachliteratur schon Gewißheit verschafft. Bei meinem ersten Aquarium habe ich das genau so durchgeführt und einen entscheidenden Fehler begangen. Ich habe die Bepflanzung nur im Kopf geplant und auf einem DIN A4 Blatt grob skizziert, aber dabei nicht bedacht, wie groß manche Pflanzen werden. Bei meinem zweiten Becken habe ich alles 1 zu 1 auf ein Stück Tapetenrolle aufgezeichnet. Maßstabsgerecht ist dann schon vorher erkennbar was nicht funktioniert. Dabei geht es natürlich nicht um ein paar Stengelpflanzen sondern um größer werdende wie z.B. Echinodorusarten.

Bei der Pflanzenauswahl spielt selbstverständlich der eigene Sinn für Schönheit die entscheidende Rolle. Trotzdem sollten einige Aspekte beachtet werden. So ist auf den Lichtbedarf der einzelnen Pflanzen zu achten. Einige brauchen es sehr hell und andere veralgen bei zu viel Licht. Hier kann der Standort von entscheidender Bedeutung sein. Bodenbedeckende Pflanzen wie z.B. Echinodorus tenellus brauchen eine starke Beleuchtung. Bei 2 Neonröhren in einem Becken von 50 cm Höhe kommt unten nicht mehr viel Licht an. Ebenso auf viel Licht angewiesen sind alle roten Pflanzen. Die rote Farbe ist bei den Pflanzen mit der Bräunung des Menschen bei Sonnenlicht zu vergleichen. Es ist eine Schutzpigmentierung. Selbst ansonsten grüne Pflanzen wie z.b. Hygrophila polysperma werden, wenn man sie an der Oberfläche fluten läßt, leicht rötlich.

Soll ein Aquarium im Holland- oder Amanostil eingerichtet werden, ist eine starke Beleuchtung unumgänglich. Die Standartbestückung mit 2 Röhren ist in keinem Falle ausreichend. Hier muß zur 4-flammigen Ausführung gegriffen werden. Bei kleineren Becken rüstet man einen dritten Leuchtbalken nach. Das Bestücken der Röhren mit Reflektoren ist selbstverständlich.

Was bei mir nie richtig funktioniert hat, ist ein Starklichtbecken mit überwiegend (80% und mehr) feinfiedrigen Stengelpflanzen. Diese sind gute Sauerstoffproduzenten und bei viel Licht und entsprechender CO2-Düngung ist das Aquarium nach ca. 6-8 Stunden Beleuchtung voller Sauerstoffbläschen. Diese starke Sauerstoffsättigung ist meiner Erfahrung nach eher negativ zu sehen. In solchen Aquarien hatte ich immer mit verstärktem Grünalgenwuchs zu kämpfen. Eigentlich widerspricht das der These "schnellwachsende Pflanzen sind gut gegen Algen". Aber Grünalgen sind einerseits ein Zeichen von guter Wasserqualität und andererseits sehr schwierig zu bekämpfen. Grünalgen stehen den höheren Pflanzen in der Evolutionsstufe sehr nah.

Ist das Becken dann endlich nach meinen Wünschen bepflanzt, muß bei der Auswahl der Fische einiges beachtet werden. Pflanzenfressende und wühlende Fische scheiden von vornherein aus. Ebenso Fische, die eine hohe Wassertemperatur benötigen. Mit steigender Temperatur wachsen die Pflanzen immer schlechter und die Auswahl der überhaupt zur Verfügung stehenden Arten wird eingeschränkt. Auch viele Barscharten belasten das Beckenmillieu durch ihren Stoffwechsel stark. Selbst wenn diese keine Pflanzen fressen, kann von schönem Wuchs nicht mehr die Rede sein. Bei Barben sollte bedacht werden, daß diese oft gründeln. Dabei wird der Bodengrund etwas aufgewühlt. Der feine Mulm kann sich bei feingliedrigen Pflanzen auf den Blättern festsetzen. Auch gibt es Barben, die an diesen Pflanzen gerne herumzupfen. Bei Brokatbarben z.B. ist es unmöglich das Aquarium damit zu bepflanzen. Die besten Erfahrungen habe ich bisher mit kleinen Salmlern gemacht. Diese sind von ihrem Stoffwechsel und ihren Aktivitäten für schönen Pflanzenwuchs vollkommen unschädlich. Ebenfalls geeignet sind Lebendgebährende. Diese brauchen aber oft härteres Wasser, was die Pflanzenauswahl wieder einschränkt. Für Regenbogenfische gilt das gleiche.

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