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Der Langsamfilter

Was ist ein Langsamfilter? Oder - im Gegensatz dazu - ein Schnellfilter? Wie der Name schon sagt, arbeitet der Langsamfilter mit einer geringen Durchströmgeschwindigkeit. Er filtert einfach gesagt, in einem bestimmten Zeitraum - z. B. Liter pro Stunde - weniger Wasser als ein Schnellfilter. Man könnte also die Leistungsfähigkeit eines Filters ohne weiteres mit der Angabe L/Std klassifizieren. Dadurch werden Filter vergleichbar. Je mehr Wasser in der gleichen Zeiteinheit gefiltert wird, um so besser. Oder etwa doch nicht?

Dazu sollte man einmal überlegen was im Filter passiert. Am Filtereinlauf wird das Beckenwasser eingesogen, durchströmt dann das Filterelement und verlässt den Filter am Filterauslauf. Je schneller der Filter arbeitet um so kürzer ist die Verweildauer des Wassers im Filtersubstrat. Was kann das Filtersubstrat in einem sehr kurzen Zeitraum leisten? Kann es biologisch filtern? Oder nur mechanisch?

Was heißt überhaupt biologisch filtern? Dies kann man sehr gut beobachten, wenn man einen Außenfilter mit einfacher Filterwatte bestückt. Nach einiger Zeit werden sich in der Filterwatte verschiedene Zonen bilden. Es gibt Zonen die bräunlich und verschlammt aussehen und es gibt Zonen, in denen die Filterwatte wie neu aussieht. Die verschlammten Zonen sind die anaeroben Zonen. Anaerob bedeutet Sauerstoffarm. Diese Sauerstoffarmen Bereiche werden nur langsam vom Wasser durchströmt. In den anderen unverschlammten Bereichen stömt das Wasser schnell hindurch. Dies sind aerobe Zonen. Also sauerstoffreiche Zonen.

Genau diese 2 Unterschiede - schnellströmend/sauerstoffreich zu langsamströmend/sauerstoffarm - sind für die jeweilige Wirkungsweise von Schnell -und Langsamfilter verantwortlich.

Die oben beschriebenen Verschlammungen sind typisch für eine langsame Filterung. In diesen befinden sich besonders große Bakterienpopulationen. Durch die höhere Verweildauer des Wassers können Schadstoffe besser abgebaut werden. Abbauen bedeutet ja, von Bakterien gefressen und in die nächste Schadstoffstufe umgewandelt zu werden. Also z.B. von Nitrit zu Nitrat. Hier findet also eine richtige biologische Filterung statt. Der Abbau von Schadstoffen bis hin zum Endprodukt Nitrat. Die Abbaukette ist Amonium/Amoniak zu Nitrit zu Nitrat.

Dies ist bei einem Schnellfilter wegen der sehr kurzen Verweildauer des Wassers nicht möglich. Dieser filtert das Becken nur mechanisch. Er baut keine Schadstoffe ab. In schnellgefilterten Becken findet der Schadstoffabbau ausschließlich im Aquarium selbst statt. Im langsamgefilterten Becken unterstützt der Filter den Abbau. Dabei ist seine Größe natürlich nicht ohne Bedeutung. Je mehr Volumen er hat, um so besser.

Einen weiteren Aspekt gilt es zu beachten. Bei einer schnellen Filterung wird das Wasser besser mit Sauerstoff angereichert, was einerseits CO 2 austreibt und andererseits Makronährstoffe oxidiert. Dadurch wird der Pflanzenwuchs tendenziell schlechter. Außerdem wird in Mulm/Schlammstellen - siehe Langsamfilter - CO 2 produziert. In einem Filter natürlich nur in minimalen Ausmaß.

Dadurch empfiehlt dies den Langsamfilter geradezu für ein gut bepflanztes Aquarium. Er fördert den Pflanzenwuchs und sein Endprodukt - Nitrat - wird von den Pflanzen gefressen. Ausreichend Sauerstoff für die Fische wird hier ohnehin von den Pflanzen erzeugt. Eine zusätzliche Anreicherung durch einen stark strömenden Filter ist nicht erforderlich. Ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen Fischen und Beckengröße/Pflanzenmenge natürlich vorausgesetzt.

Für ein Becken, welches eine größere Strömung erfordert - z.B. ein Malawibecken - ist ein Schnellfilter besser geeignet. In einem solchen Aquarium steht der Pflanzenwuchs ohnehin nicht im Mittelpunkt.

Wie realisiere ich an meinem Aquarium einen Schnell/Langsamfilter? Schnellfilter ist natürlich ganz einfach. Es reicht ein handelsüblicher Innen- oder Außenfilter. Diese haben in der Regel eine sehr hohe Umwälzleistung. Also sind sie Schnellfilter.

Einen Langsamfilter hinzubekommen ist schwieriger. Möglich ist es über ein Filterbecken. Dieses besitzt ein großes Volumen und man kann die Duchströmungsgeschwindigkeit gering halten. Eine Alternative ist ein nicht zu kleinvolumiger Motoraußenfilter mit einer nicht zu hohen Motorleistung. Natürlich sind diese Filter am Auslauf auch etwas drosselbar. Mir ist es schon gelungen, mit einem solchen Außenfilter einen Langsamfilter zu realisieren. Durch eine hohe Standzeit - also keine Filterreinigung - setzte sich das Filtersubstrat immer mehr zu. Ein solcher Filter ist innen stark verschlammt. Dies verringert natürlich den Wasserdurchfluß. Solange bis nur noch ein bescheidenes Rinnsal den Filterauslauf verlässt. Dies beieinflusste den Pflanzenwuchs sehr positiv.

Den Filter nicht reinigen - ist das nicht gefährlich? Meiner Meinung nach absolut nicht. Auch wenn der Filter ein Außenfilter ist - biologisch gesehen gehört er zum Aquarium dazu. In ihm ist das gleiche Wasser drin, welches sich auch im Becken befindet. Es findet ja ein ständiger Austausch statt. Deshalb muß ein Außenfilter Volumenmäßig immer zum Aquarium hinzugezählt werden. Er vergrößert das Becken um sein Nettovolumen. Eigentlich macht der Langsamfilter nur das, was in einer schlecht durchströmten Mulmecke im Aquarium auch passiert. Er macht es nur gezielt. Seine Arbeit ist vom Aquarianer bewusst initiiert.

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