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Umkehrosmose |
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Die Umkehrosmoseanlage - Sinn oder Unsinn? Ist es tatsächlich nötig, ein Aquarium technisch so aufzurüsten? Genügt nicht normales Leitungswasser, um die Ansprüche meiner Fische zu befriedigen? Schließlich ist im Händlerbecken auch Leitungswasser. Wenn ich dort Neon's kaufe, fragt der mich doch nicht, ob ich weiches Wasser habe. Bei Gesprächen in Aquaristikgeschäften oder mit Bekannten ist mir häufig aufgefallen, daß beim Thema Wasserwerte fast ausschließlich das Schlagwort "PH-Wert" genannt wird. Den PH-Wert kennt jeder und jeder der über Aquaristik redet weiß, daß Fische entweder saures oder alkalisches Wasser benötigen. Zitat: "Lassen sie das Aquarium 2 Wochen einfahren (zu wenig). Dann sollte der PH unter 7 sein (wieso?). Und dann suchen wir die Fische aus, die ihnen gefallen." Hat man sich nach 1 oder 2 oder wieviel Jahren auch immer (je nach Lerneifer) etwas mehr mit der Materie auseinandergesetzt, fällt einem auf, daß es noch einen wichtigen Wert in der Aquaristik gibt. Besser gesagt zwei, nämlich die Gesamthärte (GH) und die Karbonathärte (KH). Die Kenntnis dieser Werte ist natürlich schon vorher vorhanden, aber ihre große Bedeutung wird oft nicht verstanden. Sonst ist für mich nicht erklärbar, wieso ich so häufig diese seltsamen Vergesellschaftungsmißgestaltungen antreffe wie z.B. Neons mit Black Mollys oder Regenbogenfische mit Schmetterlingsbuntbarschen. Die Wasserhärte ist maßgeblich an der erfolgreichen Hälterung vieler Fische beteiligt. Es gibt einige Arten wie z.B. viele Panzerwelse, welche einen großen Toleranzbereich diesbezüglich haben. Ebenso gibt es viele Arten, deren Toleranzbereich in dieser Hinsicht sehr gering ist. Und die goldene (?) Mitte bilden die Fische, welche im für sie falschen Wasser _langsam_ kaputtgepflegt werden. Am einfachsten ist es natürlich, die Fische nach den Werten meines Leitungswassers zu kaufen. Bei hartem Wasser pflegt man einfach Lebendgebärende oder Regenbogenfische oder Malawibarsche..... Aber was mache ich, wenn ich nur über hartes Wasser verfüge und unbedingt Scalare haben will? Genau hierfür braucht man eine Umkehrosmoseanlage. Vereinfacht gesagt wird hierbei das Wasser per Leitungsdruck durch eine Feinstmembran gepreßt. Entfernt werden zu ca. 95 % alle Härtebildner, Phosphat, Nitrat usw. Was hinten rauskommt, ist sehr weiches und mineralarmes Wasser. Da dieses Wasser auch äußerst schadstoffarm ist, kann über nachträgliche Aufhärtung sogar Meerwasser hergestellt werden. Im Prinzip ist mit einer Umkehrosmoseanlage jeder Fisch bezüglich Wasseransprüchen zu befriedigen. Egal wie hart oder wie stark belastet das Leitungswasser ist (selbstverständlich in gewissen Grenzen). Wie sieht es technisch aus? Eine typische Standardanlage erzeugt ca. 90 Liter Reinstwasser pro Tag. Dieser Wert wird durch den Leitungswasserdruck und die Temperatur beeinflußt. Je höher der Druck und die Temperatur, umso mehr Wasser. Im Sommer sind Osmoseanlagen produktiver als im Winter. Das Verhältnis von Reinstwasser zu Abwasser beträgt 1:4. Bei 90 Liter laufen also 450 Liter pro Tag durch die Anlage. Also die gleiche Menge wie 2 mal am Tag ein Vollbad nehmen. Ob dieser Wasserverbrauch akzeptabel ist, muß jeder für sich beantworten. Die Alternative zur Umkehrosmoseanlage sind Ionenaustauscher. Der Vorteil bei dieser Methode ist die schnellere und verlustfreiere Gewinnung von Wasser. Der Nachteil liegt bei den hierfür erforderlichen Chemikalien. Da ich mit diesen Anlagen keine Erfahrung besitze, will ich es bei der kurzen Erwähnung derselben belassen. Zurück zum Osmosewasser. Dieses Endprodukt ist extrem weiches und mineralarmes Wasser, wobei es 3 wesentliche Dinge zu bedenken gibt. Durch die geringe Wasserhärte sind die dem Aquarianer zur Verfügung stehenden Meßmittel bezüglich GH/KH überfordert. Die Wasserhärte kann nicht mehr genau bestimmt werden. In diese Lücke stößt das elektronische Leitwertmeßgerät. Hierbei wird die elektrische Leitfähigkeit des Wassers gemessen. Bei einem Standardionenverhältnis sind so Rückschlüsse auf die Wasserhärte möglich. Ein Wert von z.B. 50 mikrosiemens/cm bedeutet extrem weiches Wasser (um GH 1). Weil Osmosewasser mineralarm ist, bedeutet dies für den Aquarianer eine verstärkte Pflanzenpflege. Sogar Aquarien, die vorher pflanzenwuchsmäßig Selbstläufer waren, müssen regelmäßig nachgedüngt werden. Bei einer extrem niedrigen GH/KH ist die Pufferung des PH-Wertes nicht sehr groß. Dies ist bei einem Aquarium mit guter Wasserpflege kein Problem. Ich fahre z.B. Weichwasserbecken mit GH 3. Die Wasserwerte müssen in diesem Falle aber genau überwacht werden und bei den Wasserwechseln ist Sparsamkeit fehl am Platze. Ist das Osmosewasser für den Bedarf zu weich, kann es aufgehärtet werden. Hierzu gibt es Aufhärtesalz oder die Möglichkeit, es mit Leitungswasser zu verschneiden. Voraussetzung ist natürlich eine gute Leitungswasserqualität bezüglich Schadstoffen. Ganz wichtig ist hier, eine stabile Mischung zu erzeugen. Es gibt nichts schlimmeres, als das Wasser zusammenzupanschen (Pi mal Daumen Osmosewasser rein, damit es etwas weicher wird). Abschließend noch etwas zur Handhabung und Dimensionierung der Osmoseanlage. Diese muß vor und nach jeder Wasserproduktion gespült werden. Auf der feinen Membran setzen sich mit der Zeit Ablagerungen fest. Wenn diese nicht durch spülen entfernt werden, verblockt die Membran und wird unbrauchbar. Außerdem darf diese nie austrocknen. Auch das würde die Membran zerstören. Wie leistungsfähig sollte die Anlage sein? Dies hängt nicht nur von der benötigten Wassermenge ab, sondern auch von der Größe der vorhandenen Auffangbehälter. Wenn ich beispielsweise nur einen Behälter von 40 Liter unterbringen kann, darf die Osmoseanlage bei leistungsfähiger Produktion (z.B. 180 L/Tag) nicht lange unbeaufsichtigt bleiben. Vielleicht ist dieser Zustand aus zeitlichen Gründen selten gegeben. Eine Anlage mit 60 L/Tag kann unter Umständen gefahrlos durchlaufen und in dieser Situation mehr Wasser herstellen. |